UNESCO und ICOMOS

UNESCO
Die UNESCO (eng­lisch United Na­ti­ons Edu­ca­tio­nal, Sci­en­ti­fic and Cul­tu­ral Or­ga­niza­t­i­on, deutsch of­fi­zi­ell Or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen für Er­zie­hung, Wis­sen­schaft und Kul­tur) ist eine In­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­ti­on und gleich­zei­tig eine der 17 recht­lich selbst­stän­di­gen Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen der Ver­ein­ten Na­tio­nen. Sie hat ihren Sitz in Paris (Frank­reich). Der­zeit sind 195 Mit­glie­der in der UNESCO ver­tre­ten und 9 as­so­zi­ier­te Mit­glie­der.

Zu den Auf­ga­ben­ge­bie­ten der UNESCO ge­hört die För­de­rung von Er­zie­hung, Wis­sen­schaft und Kul­tur sowie Kom­mu­ni­ka­ti­on und In­for­ma­ti­on. Ihr Grün­dungs­ver­trag wurde am 16. No­vem­ber 1945 von 37 Staa­ten in Lon­don un­ter­zeich­net und trat am 4. No­vem­ber 1946 nach der Ra­ti­fi­ka­ti­on durch 20 Staa­ten in Kraft.

Welt­er­be­ko­mi­tee
Für die Im­ple­men­tie­rung der Welt­er­be­kon­ven­ti­on ist ein zwi­schen­staat­li­ches Gre­mi­um, das Welt­er­be­ko­mi­tee, ver­ant­wort­lich. Seine 21 Mit­glie­der sind Staa­ten­ver­tre­ter, die alle Kon­ti­nen­te und Kul­tur­krei­se re­prä­sen­tie­ren. Sie wer­den von der Ge­ne­ral­ver­samm­lung der Ver­trags­staa­ten der Welt­er­be­kon­ven­ti­on ge­wählt. Das Ko­mi­tee ent­schei­det jähr­lich über die Auf­nah­me neuer Welt­er­be­stät­ten in die UNESCO-Lis­te und prüft, ob die be­reits ge­lis­te­ten Stät­ten den Kri­te­ri­en der Welt­er­be­kon­ven­ti­on noch ent­spre­chen.

Das 1992 durch Bernd von Dros­te zu Hüls­hoff ge­grün­de­te und bis 1999 ge­lei­te­te Welt­er­be­zen­trum ist das stän­di­ge Se­kre­ta­ri­at des Welt­er­be­ko­mi­tees und or­ga­ni­sa­to­risch in den Kul­tur­sek­tor des UNESCO-Se­kre­ta­ri­ats in Paris in­te­griert. Es hat die Auf­ga­be, die vom Welt­er­be­ko­mi­tee ge­trof­fe­nen Be­schlüs­se um­zu­set­zen, zu pro­to­kol­lie­ren, zu do­ku­men­tie­ren und zu pu­bli­zie­ren. Es or­ga­ni­siert die Ta­gun­gen der Ge­ne­ral­ver­samm­lung und des Ko­mi­tees, nimmt die No­mi­nie­rungs­an­trä­ge für die Welt­er­be­lis­te ent­ge­gen, ko­or­di­niert das Mo­ni­to­ring der Welt­er­be­stät­ten und or­ga­ni­siert die pe­ri­odi­sche Be­richt­er­stat­tung. Es be­treut den Welt­er­be­fonds, ko­or­di­niert in­ter­na­tio­na­le Hilfs­pro­jek­te und un­ter­stützt die Ver­trags­staa­ten bei der Um­set­zung der Ziele und Pro­gram­me im Rah­men der Welt­er­be­kon­ven­ti­on.

Drei in­ter­na­tio­na­le Fach­gre­mi­en be­ra­ten das Welt­er­be­ko­mi­tee: Im Be­reich des Kul­tur­er­bes sind dies der In­ter­na­tio­na­le Rat für Denk­mal­pfle­ge (ICO­MOS, In­ter­na­tio­nal Coun­cil on Mo­nu­ments and Sites) und das In­ter­na­tio­na­le Stu­di­en­zen­trum für die Er­hal­tung und Re­stau­rie­rung von Kul­tur­gut (IC­CROM, In­ter­na­tio­nal Cent­re for the Study of the Pre­ser­va­ti­on and Resto­ra­ti­on of Cul­tu­ral Pro­per­ty), im Be­reich des Na­tur­er­bes die In­ter­na­tio­na­le Union zur Er­hal­tung der Natur (IUCN, In­ter­na­tio­nal Union for Con­ser­va­ti­on of Na­tu­re and Na­tu­ral Re­sour­ces). Sie neh­men be­ra­tend an den Ta­gun­gen des Welt­er­be­ko­mi­tees teil.

Recht­li­che Basis
Grund­la­ge der Welt­er­be­stät­ten ist das in Paris ver­ab­schie­de­te Über­ein­kom­men zum Schutz des Kul­tur- und Na­tur­er­bes der Welt vom 16. No­vem­ber 1972 ("Welt­er­be­kon­ven­ti­on), das 1975 in Kraft trat. Die bis­her 192 bei­ge­tre­te­nen Staa­ten ver­pflich­ten sich, das auf ihrem Ge­biet be­find­li­che Welt­er­be selbst zu er­fas­sen, zu schüt­zen und zu er­hal­ten. Gleich­zei­tig si­chern sie sich in­ter­na­tio­na­le Zu­sam­men­ar­beit und ge­gen­sei­ti­ge Hilfe zu, um diese Auf­ga­ben zu er­fül­len.

ICO­MOS
ICO­MOS ist die Ab­kür­zung für „In­ter­na­tio­nal Coun­cil on Mo­nu­ments and Sites“ und wird in der deut­schen Ver­si­on als „In­ter­na­tio­na­ler Denk­mal­rat“ be­zeich­net. Die der­zeit welt­weit etwa 10.000 Mit­glie­der aus den weit ge­fä­cher­ten Fach­be­rei­chen der Denk­mal­pfle­ge um­fas­sen­de In­sti­tu­ti­on ist als NGO, d.h. als Non Go­vern­men­tal Or­ga­niza­t­i­on / nicht staat­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on auf­ge­stellt. Da­durch wird die Un­ab­hän­gig­keit von po­li­ti­schen und par­ti­ku­la­ren In­ter­es­sen de­kla­riert und die Aus­rich­tung auf die rein fach­li­che Ex­per­ti­se un­ter­stri­chen.
 
Richt­li­ni­en, Grund­sät­ze und Char­tas
Auf der Grund­la­ge der Char­ta von Ve­ne­dig auf­bau­end, hat ICO­MOS in den fol­gen­den Jahr­zehn­ten eine Reihe wei­te­rer Richt­li­ni­en und Char­tas zu spe­zi­fi­schen The­men­be­rei­chen des kul­tu­rel­len Erbes ver­ab­schie­det, u.a.: die Char­ta von Flo­renz 1981 zum Schutz der his­to­ri­schen Gär­ten, die Char­ta von Wa­shing­ton 1987 zur Denk­mal­pfle­ge in his­to­ri­schen Städ­ten, die Char­ta von Lau­sanne 1990 für den Schutz und die Pfle­ge des ar­chäo­lo­gi­schen Erbes, die Richt­li­ni­en zur Aus­bil­dung in der Kon­ser­vie­rung von Denk­mä­lern, En­sem­bles und his­to­ri­schen Stät­ten 1993, das Nara Do­ku­ment zur Au­then­ti­zi­tät 1994, die Char­ta zu Schutz und Pfle­ge des Un­ter­was­ser-Kul­tur­er­bes 1996, die Grund­sät­ze zur Do­ku­men­ta­ti­on der Denk­mä­ler, En­sem­bles und his­to­ri­schen Stät­ten 1996, die Char­ta zur verna­ku­lä­ren Bau­er­be(Bau­er­be im länd­li­chen Raum) 1999, die In­ter­na­tio­na­le Char­ta des Kul­tur­tou­ris­mus 1999, die Grund­sät­ze zur Er­hal­tung his­to­ri­scher Holz­struk­tu­ren 1999, die Grund­sät­ze für die Er­hal­tung und Kon­ser­vie­rung / Re­stau­rie­rung von Wand­ma­le­rei­en 2003, die Grund­sät­ze zur Ana­ly­se, Kon­ser­vie­rung und Re­stau­rie­rung der Bau­struk­tur von Denk­mä­lern 2003, die Er­klä­rung von Xi’an zur Er­hal­tung des Um­felds von Bau­denk­mä­lern, his­to­ri­schen Stät­ten und Denk­mal­be­rei­chen 2005, die Char­ta der Kul­tur­stra­ßen 2008, die Char­ta zur In­ter­pre­ta­ti­on und Prä­sen­ta­ti­on von Kul­tur­er­be­stät­ten 2008.